Pazartesi, 16 Temmuz 2018
Anasayfa Yazılar Röportaj Die tragödie geht weiter

Die tragödie geht weiter

selmPKK-Mitgründer selim cürükkaya schliesst bewaffneten Widerstand nicht aus, solange die Türkei die Rechte der Kurden nicht anerkennt.

INTERVIEW: GUNNAR KÖHNE

Facts: Sic haben mii PKK-ChefÖcalan gebrochen. Waren Sie erleichtert, als Sie von seiner Festnahme hörion?

SELIM Cürükkaya: Als ich davon erfuhr, verspürte ich eher Trauer als Erleichte­rung, denn die 'Tragödie des kurdischen Volkes geht weiter. Was iet/.t passiert, habe ich vorhergesehen. Ich habe stets gesagt: Folgt nicht einer Person allein, sonst zieht sie euch mit in den Abgrund, sondern bildet demokratische Struktu­ren. Die Entscheidungsstrukturen der PKK dienten am Ende nur noch als Fas­sade. Die so genannten PKK-Kongresse haben nur noch bestätigt, was Ocalan oder seine Vasallen vergaben. Wegen die­ser Botschaft musste ich untertauchen.


 

Facts: Sie wurden von Ocalan mit dem Leben bedroht?

Çürükkaya: Ja, er hat mich als «Agenten der Türkei» bezeichnet. Das ist ungefähr das Schlimmste im Weltbild der PKK.

Viele l'reundcvon mir, die ähnliche Kri­tik am Machtanspruch Ocalans geäussert hatten, wurden auf seinen Befehl er­mordet. Aber ich hatte auch keine Angst, bevor er verhaftet wurde. Ich bin in tür­kischen Gefängnissen durch die Kölle gegangen. Da fürchtet man sich vor Ocalan nicht. Ich verhalte mich dennoch, vorsichtig und gehe selten aus dem I laus.

FACTS: Ist die PKK nun am Ende? Cürükkaya: Die kurdische Guerilla in der Türkei ist heute natürlich nicht mehr so stark wie Anfang der Neunzigerjahre. Das liegt an dem enormen Druck der tür­kischen Armee und an den Vertreibun­gen. Heute leben in Tzmir, Ankara und Istanbul fünf Millionen Kurden, weil ihre Dörfer zerstört wurden. Ausscrdem hat

KEINE ANGST

das Misstrauen unter den PKK-Leuten und die Angst vor dem Parteichel zu einer Schwächung der Guerilla geführt. Dies bedeutet nicht, dass es aus und vor­bei ist. Solange die 20 Millionen Kurden ohne Rechte bleiben, solange wird cs bewaffneten Widerstand geben - in der einen oder anderen Form. Der Bürger­krieg der vergangenen Jahre war der 30. kurdische Aufstand seit der Gründung der türkischen Republik vor 75 Jahren.

FACTS: Die Türkei feiert die Verhaf­tung des Staaisfcindes Nummer eins. An­geblich soll Ocalan Reue gezeigt haben. Çürükkaya: Ich habe schon immer gesagt, dass der Mann mit dem türkischen Staat Zusammenarbeiten wird, wenn er in dessen Hände gerät. Ocalan hat immer

 

»Amerika und Europa sollten an einer Lösung der Kurdenfrage interessiert sein.»

selim Çürükkaya

Verpflichtungen in Bc/.ugauf Menschen- uiul Minderheircnreehte erinnern. Aber Europa sollte nicht allein auf die Türkei Druck ausüben. Auch Syrien, trän unc Irak sind undemokratischc Staaten, die uns unterdrücken. Amerikaner und Europäer sollten auch im Interesse ein« stabilen Nahen Ostens an einer baldigen I ^Ösungder Kurdenfrage interessiert st in.

FACTS: Was wollen die Kurden in der 'Türkei? Kino Umfrage vor Ort hat er­gehen, dass nur 13 Prozent einen eigenen Staat fordern.

cürükkaya: Glauben Sie, dass sich diel Kurden in der Türkei in einer solches! Umfrage offen äussern würden? Den lxr-1 liebten kurdischen Sänger Ahmed Kay* hat man kürzlich allein wegen der Ankün-B digung, einen kurdischen .Musikclipfl drehen zu wollen, angeklagt. Um heraus-! /.»linden, was die Kurden politisch wol-l len, brauchten wir die Möglichkeit, tVul eine Interessenvertretung wählen /.u iliir-l fen. Der vom Volk legitimierte VVahl-B sieger könnte sich dann mit Vertreter™ der Türkei an einen Tisch setzen.

FACTS: Nach den Ausschreitungen dcil vergangenen 'läge haben sich die Kurde« viele Sympathien im Ausland versehe;-«,I CÜRÜKKAYA: Die Gewakausbrüchc in lv. I ropa schaden dem kurdischen Anliegen I Die türkischen Arbeiter in Deutschlan sind doch keine Kurdenfeinde, so wem wie der deutsche Staat. Alan darf allei dings nicht vergessen, dass die meiste der in Europa lebenden Kurden An ge Iw rige im Bürgerkrieg verloren haben ode selbst Folter erlitten. Aber durch die Gc walt bekommen wir alle einen Terroriv I tenstempel autgcdrückt und verlieren dfl internationale Unterst üt/.ung. Lachend® Dritter ist die Türkei. Vielleicht Öcalan irgendwo in Europa und nicht juM einer türkischen .Gefängnisinsel, wenn« nicht schon in früheren Jahren

FACTS •

Son Güncelleme (Salı, 29 Kasım 2011 16:09)