Belgeler

Daz dorf Pul

Selim Cürükkaya (27.07.2003): / Das Dorf Pul gehört zur Stadt Yamac in der Provinz Bingöl. Ich habe von dem Vorfall am 8. Juli erfahren, 5 Stunden nachdem es passiert war.

Selim Çürükkaya / Das Dorf Pul war das Nachbardorf zu dem Dorf, in dem ich geboren wurde. Im Jahre 1970 wurden die Dörfer nach einem Erdrutsch zusammengelegt. Im eigentlichen Dorf Pul gibt es nur noch 6 Häuser. Da wir seit 32 Jahren zusammen leben, gehören wir zusammen. Daher hat die Nachricht mich auch sofort erreicht. Bei meinen ersten Anrufen habe ich nur mit Frauen sprechen können, weil alle Männer an den Ort des Geschehens gegangen waren. Schon die erste Frau sagte mir in Zaza: “Die Kinder der Berge haben es getan, ich schwöre. Aber sage es niemandem Selim.”

Nach meinen Erkenntnnissen hat sich der Vorfall folgendermassen zugetragen. 22 Tage vor dem Vorfall wurden in der Nähe des Dorfes Pul zwei Guerillas von Soldaten der türkischen Gendarmerie umgebracht. Erdal Acar und Mahmut Kaya arbeiteten etwas unterhalb des Dorf und sind aus Angst vor den Schüssen in ihre Häuser gelaufen. Das sahen die Soldaten und haben das Haus umstellt, weil sie sie für Guerillakämpfer hielten. Als sie feststellten, dass es einfache Dorfbewohner waren (von denen Mahmut Kaya nicht ganz richtig im Kopf ist), haben sie sie aus dem Haus geprügelt und vor sich her zu der Stelle getrieben, wo die Leichen lagen. Gleichzeitig hatten sie einen Maulesel im Dorf beschlagnahmt. Sie zwangen die beiden Männer, die Leichen auf den Maulesel zu legen und bis zur asfaltierten Strasse zu bringen. Dort luden sie die Leichen auf ihre Wagen und verschwanden.

Erdal Acar und Mahmut Kaya gingen in der Dunkelheit bis in das Dorf Pakuni und erzählten den Bewohnern, was passiert war. Eine Woche nach diesem Vorfall kamen Guerillas in ein Nachbardorf von Pul. Die Bewohner dort kannten sie. Sie erzählten den Leuten, dass sie das Dorf Pul bestrafen werden, weil sie ihre Freunde verraten hätten. Auf der Liste standen: Erdal Acar (30), Ahmet Acar (50) und Mahmut Kaya (23). Die Bewohner des Nachbardorfes informierten die Leute im Dorf Pul, die aber nicht flohen, sondern dachten, dass ihnen nichts passieren würden, weil sie nichts falsch gemacht hätten.

Am 8. Juli kam dann eine 5-köpfige Guerillagruppe in das Dorf Pul und fragten den ersten Menschen, auf den sie trafen, nach seinem Namen. Als dieser “Mahmut Kaya” sagten, führten sie ihn mit der Bemerkung “wir haben nach dir gesucht und bringen dich auf die Wache” fort. In einem Flussbett haben sie ihn dann gelyncht. Sodann holten sie Erdal Acar und Ahmet Acar aus ihren Wohnungen. Frauen benachrichtgten Haci Kaya (55) und Hüseyin Özmen (55), die der Gruppe folgten. Am Ortsausgang soll Haci Kaya noch gesagt haben, dass er mitgehen werde, selbst wenn die Gruppe vorhabe, die Dorfbewohner zu töten.

Zwei Guerillas hielten die Frauen, die ebenfalls mitgehen wollten, zurück, während die anderen drei die Gruppe fortführten. Nachdem Schüsse zu hören waren, verschwanden die zwei Guerillas. Am Morgen machten sich die Bewohner des Dorfes auf die Suche und fanden die Leichen von Erdal Acar, Ahmet Kaya, Hüseyin Özmen und Mahmut Kaya, die durch Schüsse in den Kopf getötet worden waren. Mahmut Kaya war durch Schläge mit Steinen und Gewehrkolben schwer verletzt. Sein “Verbrechen” war, dass er über den Vorfall mit den getöteten Guerillas in der Form berichtet hatte, dass die Soldaten sie zwangen, “die Leichen wie Holz auf den Maulesel zu laden”. Damit soll er die Guerillas beleidigt haben.

Alle wissen, wer das Massaker in Pul verübt hat, aber sie schweigen. Vertreter der Partei DEHAP haben nicht einmal einen Beileidsbesuch abgestattet. Beschlossen wurde die Sache auf Imrali (Insel, auf der der KADEK Führer Abdullah Öcalan inhaftiert sind, DTF). In einem Gespräch mit seinen AnwältInnen sagte er am 25. Juni, dass Dorfschützer die zwei Guerillas in Bingöl getötet hätten. Dem Volk wird erzählt, dass die Bewohner in Pul Verräter seien, aber offiziell bekennt die KADEK sich nicht zu den Morden. Sie haben sogar die Person mit Namen genannt, die die Guerillas verraten hat. Warum aber werden dafür 5 Menschen umgebracht? Wie steht es zudem um die Ablehnung der Todesstrafe?

Am Tag als ich von dem Vorfall hörte, wusste ich, dass DEHAP und der IHD zu der Sache schweigen würden. Sie haben sich sogar vor die Dorfbewohner gestellt und behauptet, dass es Quellen gebe, die wüssten, dass es Kontr-Guerillas waren. Sie haben den Betroffenen aber niemanden gezeigt, der das behauptet. Die Dorfbewohner haben der Delegation von DEHAP ein blutiges Messer übergeben, das bei Mahmut Kaya gefunden wurde. Die Leute von DEHAP haben das Messer genommen, das Blut und die Fingerabdrücke abgewischt und den Bewohnern gesagt, dass sie niemandem etwas sagen sollen.

Anm.: Nach einer Meldung in Özgür Politika vom 10.08.2003 soll gegen den Vorsitzenden der Zweigstelle Bingöl des IHD, Ridvan Kizgin, ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sein, in dem ihm die Vernichtung von Beweismitteln vorgeworfen wird. Der Staatsanwalt in Bingöl soll diesen im Internet veröffentlichten Beitrag als Beweis gewertet haben.

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Selim Çürükkaya

1954 te Bingöl' de doğdu. Öğretmen okulundan mezun oldu. Siyasi nedenlerle on bir yıl hapis yattı. Gazeteci ve yazar. Yayınlanmış 10 adet Kitabı var. Siyasi mülteci olarak Almanya'da yaşıyor.

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